Babou – oder wie man unfallfrei fährt …

Bericht über den vermittelten Nothund Babou (Fortsetzung)

Babou
Babou suchte ein neues Zuhause (2011)

Im Februar 2012 fand der 6-jährige Akita-Rüde Babou bei Familie Lanners ein neues Zuhause.

im März 2013

In meinem ersten Erfahrungsbericht hatte ich abschließend versucht spaßeshalber den Vergleich zwischen Radfahren und Akitas aufzustellen und mir mit Babou eine unfallfreie Fahrt gewünscht.

siehe 1. Erfahrungsbericht: Babou – oder wie man Herzen bricht

Nun nach fast 15 Monaten trauter Zweisamkeit muss ich eingestehen, dass ich Radfahren als Hobby eingestellt habe.

Das Rad hängt an dem berühmten Nagel und ich bin total auf den Hund gekommen.

Für den Erhalt meiner Fitness hat allerdings King Babou gesorgt. In all dieser Zeit haben wir beide doch glatt an die 2700 km auf sechs Beinen zurückgelegt und das Wölfchen ist mit seinen 7 Jahren noch immer topfit.

Babou auf der TreppeBleibt mir beim Treppensteigen schon mal die Luft weg, blickt das Kerlchen in die Landschaft und wartet gelangweilt bis ich ihn wieder eingeholt habe.

Unfallfrei habe ich eingangs behauptet – ja, aber sicher auch deswegen weil ich Babou noch immer an der Schleppleine führe. Einmal hatte ich mich getraut ihn abzuleinen … da kam aber helle Freude auf. Er trottete einfach seines Weges, blieb allerdings auf der gewohnten Route, wurde zusehends schneller als ich und all meine Rückrufbemühungen verhallten unbeachtet im Wind.

Flur und Feldweg waren gut zu überblicken, doch der Abstand zwischen uns beiden wuchs und wuchs – 100 m, 200 m, 300 m usw.

Ein schon betagter Herr kam uns entgegen und blieb, ob der imposanten Gestalt dieses majestätisch dahin trottenden Wölfchens wohl aus Respekt, wie versteinert inmitten des Weges stehen. Babou würdigte den Mann keines einzigen Blickes und schritt quasi durch ihn hindurch. Stur nicht rechts, nicht links schauend trottete er weiter, meine Nerven waren zum Zerreißen angespannt.

Einige 50 m weiter nahm eine Frau schnellstens ihren Pudel schützend auf den Arm und sprang in den Seitengraben. 500 m Abstand – Babou trottete weiter.

Babou trottet zurückAm Wegesrand hatte wohl eine Hündin ihr Parfümfläschchen versehentlich liegen gelassen, jedenfalls hielt jetzt King Babou inne und schnüffelte ergiebig an besagtem Ort, dann drehte er den Kopf, erblickte mich in weiter Ferne und kam ganz gemütlich zurückgetrottet.

Meine Gefühle schwankten im Sekundentakt zwischen unbändiger Freude und unbeschreiblicher Wut – ich durfte ihn ja auf keinen Fall schelten. Akitas scheinen das zu wissen, unaufgefordert setzte er sich vor mich hin und erbat mit erhobener Pfote das seiner Ansicht nach wohlverdiente Leckerli, er war ja wiedergekommen.

Unfallfrei, aber nur bedingt denn …
wie ich mit Babou den freien Flug übte.

Bei einem unserer vielen Waldspaziergängen kam uns freudig eine uns unbekannte größere Hündin entgegengerannt. Mein Wölfchen ging an der Schleppleine an meiner Seite.

Die beiden beschnupperten sich wohlwollend und die total durchgeknallte Dame forderte zum Spielen auf, was zu meiner großen Verwunderung, von Babou dankend angenommen wurde (bekanntlich spielen Akitas ja nur sehr selten).

Babou im SchneeMittlerweile hatte sich der zu der Hundedame gehörige Dosenöffner zu uns gesellt. Ich erkannte einen früheren Arbeitskollegen und Erinnerungen wurden ausgetauscht. Die umhertobenden Hunde hatte ich mitsamt Schleppleine vergessen, wurde aber sehr brutal daran erinnert. Beide hatten ein Wettrennen 15 Meter hinter meinem Rücken gestartet, an mir vorbeigerast und nach weiteren 15 Metern (Länge der Leine) wurde Babou unsanft gestoppt. Mich allerdings riss es von den Beinen, die Handschlaufe am Handgelenk hob ich ab und segelte im freien Flug drei Meter durch die kalte Winterluft, mit einer unsanften Bauchlandung kam ich nach weiteren zwei Metern zum Liegen.

Fazit: Babou unverletzt, Herrchen Nasenbluten, Brille gebrochen und drei Rippen geprellt. Irgendwie erinnere ich mich noch daran wie ich am Boden kauernd meine Wunden leckte, als sich Babou zu mir setzte und mir zu verstehen gab: "Kollege, einen 40 Kilo schweren Geländegängigen mit Vierradantrieb sollte man nicht auf diese Art bremsen!" Von nun an trage ich die Handschlaufe nur noch lose in den Fingern und benutze einen Ruckdämpfer, um unserer beiden Gesundheit Sorge tragend.

Obige Erfahrungen bewogen mich dazu mir den Rat einer Hundeschule einzuholen. Ich hatte mir vorgestellt, dass Leute vom Fach einem Akita, der seit sieben Jahren jeden Rückruf konsequent ignoriert, innerhalb von zwei Stunden bedingungslosen Gehorsam beibringen könnten.

Babous Studienplatz für ältere Erwachsene

In seinem Alter noch einmal die Schulbank zu drücken schien ihn nicht sonderlich zu begeistern.

Zwei Einzeltrainingstunden hatten wir gebucht.

1. Stunde: an einer 5 Meter langen sehr leichten Schleppleine riefen wir auf Anweisung der Trainerin jedes Mal, wenn die Leine fast zu Ende war, Babou zurück. Das klappte auf Anhieb genau drei Mal, dann hatte B.Akita mir mitgeteilt: "Hab's kapiert, genügt jetzt".

Die Trainerin bestand auf ihrer Ausbildungsmethode und so schritten wir den Rest der Stunde mit Babou an der Leine hin und her, was wohl das Kerlchen sichtlich nervte und er der Urheberin dieses Spielchens durch Aufreiten sehr klar die Grenzen aufzeigte. Hatte ich nun geglaubt die arme Frau könnte sich ob ihrer Erfahrung selbst aus der Umklammerung befreien, so lag ich daneben – ich musste eingreifen. Babou ließ dann auch ohne weitere Mühe von ihr ab, er hatte jedoch die etwas leichtgewichtige Frau ziemlich überrascht. Jedenfalls wurde mir mit Nachdruck klar gemacht Babous Verhalten in Zukunft schnellstens zu unterbinden. Vielleicht hätte ich sie (die Trainerin) ins Sitz befehlen sollen.

2. Stunde: Das Aufreiten auf den Trainer (diesmal war es ein Mann) unterband dieser mit einer Wasserspritze. Babou warsichtlich überrascht und hat im weiteren Verlauf auch keinen Aufreitversuch mehr gestartet. Im Trainingsgelände freilaufend konnte ich ihn 3 - 4 Mal sicher herbeirufen, bis zu dem Hab's-kapiert-genügt-jetzt-Moment. Danach hatte das Wölfchen wieder anderes zu tun.

Lerneffekt: Herrchen wird aus Respekt vor den Passanten (Tier, Mensch und Radfahrer) die Schleppleine als Freilaufersatz weiter benutzen.

Basta Herr Akita! Du wirst noch einige Zeit an unserer Nabelschnur hängen müssen.

Mit Geduld und viel Liebe wird mir der sichere Rückruf vielleicht einmal gelingen, ich bin mir jedoch bewusst nur dann wenn B.Akita das will.

Apropos, zum Thema "Einen Akita kannst du nur erziehen wenn er dich als Herrchen wirklich mag" fällt mir eine kleine Anekdote ein.

Zu Zeiten da Lehrer aus Respekt noch gesiezt wurden, hatte klein Peter die Angewohnheit seinen Lehrer trotzdem zu duzen. Dieser ließ zur Strafe Peter den Satz: "Ich soll den Lehrer nicht duzen" 10-mal schreiben. Tags darauf lieferte Peter freudestrahlend 20 Zeilen ab, worauf der Lehrer meinte das wäre wohl nicht nötig gewesen. Prompt sagte Peter: "Ach weißt du, das ist weil ich dich so mag."

King Babou lässt grüssen. Und ich behaupte:

Babou, was wäre ich ohne dich

in Anlehnung an ein Gedicht, welches Louis Aragon über seinen Hund geschrieben hat, Jean Ferrat hat es vertont:

Que serais-je sans toi qui vins à ma rencontre
Que serais-je sans toi qu'un coeur au bois dormant
Que cette heure arrêtée au cadran de la montre
Que serais-je sans toi que ce balbutiement.

J'ai tout appris de toi sur les choses humaines
Et j'ai vu désormais le monde à ta façon

J'ai tout appris de toi comme on boit aux fontaines
Comme on lit dans le ciel les étoiles lointaines
Comme au passant qui chante on reprend sa chanson.

J'ai tout appris de toi jusqu'au sens du frisson.
J'ai tout appris de toi pour ce qui me concerne
Qu'il fait jour à midi, qu'un ciel peut être bleu
Que le bonheur n'est pas un quinquet de taverne
Tu m'as pris par la main dans cet enfer moderne
Où l'homme ne sait plus ce que c'est qu'être deux
Tu m'as pris par la main comme un amant heureux …

siehe dazu externer Link Video Jean Ferrat: Que serais-je sans toi

deutsche Übersetzung:

Was wär’ ich ohne dich, der du mir kamst entgegen.
Was wär’ ich ohne dich, nur ein Herz im Märchenwald,
die stehen gebliebene Zeit auf dem Zifferblatt der Uhr.
Was wär’ ich ohne dich, doch dieses Stammeln nur.

Du lehrtest mich das Leben vom Anfang bis zum End.
Seitdem durch deine Augen sich mir die Welt erschließt.
Wie man am Brunnen trinkt, hab ich von dir gelernt,
wie man die Sterne liest am fernen Firmament,
wie man dem ziehenden Sänger das Lied vom Mund abliest.

Du lehrtest mich sogar, was schönes Schaudern ist.
Du lehrtest mich all das, was leben für mich heißt,
dass es hell ist am Tag, und der Himmel blau sein kann,
dass Glück nicht nur ein Licht in einem Wirtshaus ist.
Durch die moderne Höll führtest du mich an der Hand,
wo der Mensch nicht mehr weiss, was Leben zu zweit heißt.
Wie ein Mensch im größten Glück, führtest du mich an der Hand.

Carlo Lanners, im März 2013

Buch: Auf den Hund gekommen!wieder erhältlich in erweiter Auflage
Carlo Lanners
Auf den Hund gekommen
Babou ein toller second hand Akita
Geschichten über einen Akita in Not Hund,
212 Seiten,
BoD Verlag, 2. Auflage März 2017,
20,00 Euro
ISBN 978-3-7431-4939-7
weitere Infos unter www.chappi.biz/babou/anfang.xhtml
Buch bestellen beim BoD-Verlag

siehe auch

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